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Archive for the ‘Gehirnleck’ Category
Samstag, September 27th, 2008
Kennt ihr die Sorte Mensch, die oft alleine rumsteht, kaum etwas sagt, immer in der Gegend rumkuckt, sich an ihrem Getränk festhält und man nicht merkt, wenn er auf einmal verschwunden ist?
Und kennt ihr das Gefühl, wenn man etwas am Rand steht, einen Schluck nimmt und den Blick über die sich unterhaltende Menge gleiten lässt und sich selbst als solcher(/n?) entpuppt? Schlagartig will ich im Boden versinken. Ah, zum Glück, ich kenne jemand. Jeder Satz muss rausgepresst werden, die Muse fehlt. Ich hab nichts zu reden, finde mich irgendwann selbst langweilig. Fremder Mensch kommt. Unterhält sich mit Bekanntem. Ich lächle und nicke, trinke, blicke umher. Verschwindet dann das Bindeglied zwischen mir und dem Fremden herrscht erst mal Stille. Nein, ich stehe nicht stumm da und suche verzweifelt nach einem einzigen Satz, der diese Peinlichkeit beendet, sondern ich bin damit beschäftigt zu trinken und durch die Gegend zu schauen. Das ist wichtig!! - Puh, Rettung naht… doch nicht. Scheiße, ab jetzt fällts auf, wenn ich aus ner leeren Flasche trinke. Handy, HANDY, SCHNELL!!! *drückdrückdrück* …Wann kommt sie denn? Okay, Handy wieder weg und genau jetzt würde ich gerne wissen, wie spät es ist. Naja, immerhin etwas zu tun. Handy, Uhr, gut. Etikett fehlt schon komplett, schade, dass man Glas nicht abkratzen kann… Also mal wieder umherschauen, als wartete man auf die große Überraschung. Ach wie paradox… - Ah, ihr geht jetzt? Ja, ich auch.
Ich kann das nicht. Manchmal vielleicht, heute hatte ich jedenfalls einen brutal schlechten Tag. Mein Blut ist einfach zu dünn… Irgendwie macht mein Kopf dann Siesta. Kein Gedanke verlässt das Oberstübchen und ich bekomme nicht mal irgendwelche Floskeln zusammen. Okay, ich kannte nicht viele, aber andere, die noch weniger kennen, schaffen es trotzdem irgendwie, Leute zum lachen zu bringen, die sie erst seit 5 Minuten kennen.
Eventuell ist mein Spam-Filter zu radikal eingestellt. Manchmal denke ich etwas, finde es aber zu flach/unsachlich/fies/belanglos und behalte es für mich. Ein paar Minuten später höre ich es dann jemand anderes sagen und bin überrascht, wie passend ich es finde… plöt!
Ach und kennt ihr diese Skala, die bemisst, wie sehr ihr jemanden mögt? Und zwar wie schlimm es wäre, wenn derjenige stürbe. Naja, vielleicht macht nur mein Gehirn das. Ist ja auch dumm, die Freude die ein Mensch einem bereitet damit zu messen, wie viel Trauer der Tod verursachen würde O_o
Merke eins: Insektenstiche in den Kniekehlen enden meistens blutig… -,-
Tags: Ich, small-talk Posted in Allgemein, Gehirnleck | No Comments »
Sonntag, September 14th, 2008
Als gebe es etwas kontroverses am Fahrradfahren. Manche aber haben wirklich abgefahrene Meinungen, und ich bin immer noch am grübeln, ob ich das bei Ironie oder Engstirnigkeit verbuchen soll.
Die Sachlage war wie folgt: Mein Fahrrad steht bei einer Freundin, weil ich hingefahren war und nicht wieder zurück. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es an dem fehlenden Licht oder der allgemeinen Vorsicht meinerseits lag, dass ich es stehen ließ; immerhin bekommt man den Führerschein auch entzogen, wenn man alkoholisiert nach Hause strampelt.
Nun wurde mir eingetrichtert, dass DAS mal überhaupt nicht geht. Entweder man fährt hin und zurück, oder gar nicht. Es sei sogar “besser”, dann mit dem Auto zu fahren. Ich meinte darauf, dass genau diese Einstellung mich grundsätzlich davon abhalten würde, jemals wieder auf ein Fahrrad zu steigen. Ich bin kein One-Way-Fanatiker, es hat auch nichts mit Faulheit zu tun (was MIR natürlich niemand glaubt…), aber der Gedanke, spät nachts/mit vollem Bauch/angetrunken/ohne Licht/alleine die Heimfahrt antreten zu müssen, die in meinem Fall fast einer Bergetappe gleicht, raubt mir sämtliche Motivation. Kann ich dagegen gemütlich hinradeln und je nach Laune spontan entscheiden, was mit meinem Fahrrad geschieht, fahre ich vermutlich in den meisten Fällen sogar wieder heim.
Das ist die Macht der Psychologie. Allein die Möglichkeit einer Alternative macht diese sogleich überflüssig. Deshalb Werde ich jedes mal fröhlich sein wenn ich Fahrrad fahre, weil ich nunmal die Wahl habe!
Was mich eigentlich daran stört ist die Tatsache, dass man schlechter dasteht und für fauler gehalten wird, wenn man NUR eine Strecke mit dem Fahrrad fährt, als wenn man das Auto nimmt. Das verstehe ich nicht.
Tags: Fahrrad, Meinung Posted in Allgemein, Gehirnleck | No Comments »
Donnerstag, September 11th, 2008
Ich habe sie endlich. Und es ist nicht 42. Was mich unzählige Nächte mit Schlaflosigkeit strafte hat schließlich ein Ende. Ich bin erleuchtet!
Es ist alles vorherbestimmt und begann noch bevor ich überhaupt in der Lage war, etwas daran zu ändern. Nämlich an meiner Geburt: Der 2. Februar. Doch neben der banalen Schnapszahlartigkeit darf man nicht die eigentliche Bedeutung dieses Tages aus den Augen verlieren. Dieser Tag ist schon seit mehreren Jahrhunderten einer der wichtigsten - wenn nicht sogar DER wichtigste - Tage der Menschheit. Seit 1987 hat sich dies beinahe ins unermessliche gesteigert, denn dieser Tag…
ist…
der…
MURMELTIERTAG
Tags: Geburtstag, Ich, Murmeltiertag Posted in Allgemein, Gehirnleck, YEEEHAAAAAW | 2 Comments »
Sonntag, September 7th, 2008
Ich musste durfte heute erfahren, was so einige meiner Freunde über mich denken. Nicht prinzipiell, leiden können die mich schon alle, aber man hat ja so sein Bild im Kopf. Deren Bilder von mir bekam ich heute in Form dreier Bretter vor den Kopf.
Das - für mich zumindest - lustige war, dass ich auf all das irgendwie gefasst war und mich nicht in die Ecke gedrängt fühlte. Ich hatte die Oberhand, auch wenn das vermutlich nur mir aufgefallen ist. Ich lebe nicht in meiner Phantasiewelt, in der ich IMMER die Oberhand habe, sondern ich konnte aus ihren Argumenten lesen, dass sie viel zu oberflächlich sind und sich zu wenige Gedanken darüber machen, was sie über andere, in dem Fall mich, denken.
Es ging darum, dass ich scheinbar… ich sag das jetzt nicht, sonst muss ich mich schon wieder rechtfertigen. Auf jeden Fall habe ich ihnen dann am Ende vorgerechnet, dass alles, was sie mir unterstellt haben, doch eher auf sie selbst zutrifft.
Ich weiß auch nicht, entweder ich bin zu naiv oder um einiges weiter, was das angeht. Ich finde nur, dass man seinen Freunden keine Vorwürfe machen sollte, was z.B. Geld angeht. Sofern das nicht schlimm ist, macht das keinen Sinn, außer, dass man lieber mit seinen Eltern weggeht, weil die Gesprächsthemen dieselben sind, man aber nicht bezahlen muss? xD
UND ich rede sehr oft mit Wänden, weil man mit sooo vielen Menschen nicht reden kann. Borniert, borniert, borniert. Was macht man dann? Entweder man steht selbst als dumm (etc.) da oder hält es irgendwann nicht mehr aus und PLATZT. Weil diejenigen, die mit ihrer Kritik um sich werfen so gut wie NICHTS vertragen, oder einem jegliche Berechtigung absprechen, als unzurechnungsfähig hinstellen und belächeln. ARGH! (<- kann man wütend sein, ohne dass das Blut wallt? Betrachten wir dieses “ARGH!” einfach als Geste (die man hören kann ^_^) der Resignation…
Edit: Klammer zu!
Tags: Freunde Posted in Freunde, Gehirnleck | 3 Comments »
Montag, August 11th, 2008
Die Leute sagen nicht was sie denken. Sie sagen nicht was sie meinen oder erzählen einfach NICHT die Wahrheit. Und die anderen finden das toll. Man kann mit kaum jemandem einfach normal reden.
Bei einer Diskussion bekommt man dann ein Gegenargument an den Kopf geworfen, und zwar nur, weil. Der Gesprächspartner hat sich vielleicht noch keine Gedanken darüber gemacht oder will schlicht widersprechen; und das bringt uns keinen Zentimeter weiter - zumindest mich nicht. In anderen Situationen machen sie einfach meine Argumente zunichte, indem sie meine Recherche kritisieren und mir Naivität vorwerfen. Okay, Halbwissen ist fatal, aber wer im Glashaus sitzt? Wenn ich Zeitung lese und dann darüber rede wird mir meistens sehr schnell widersprochen. Im Prinzip widersprechen sie dann nicht mir, sondern dem Journalisten, dessen Meinung ich übernommen habe, bis mir eine bessere, klarere und überzeugendere begegnet. Meistens werde ich dann auch überzeugt, weil sie mir so viel Wissen entgegnen, dass ich gar nicht anders kann und will. Wenn ich aber dann herausfinde, dass deren Meinung auch nur auf einem Artikel basiert, der glücklicherweise ganz andere Fakten beinhaltete, fühle ich mich zumindest darin bestätigt, dass ich zu gutgläubig bin. Hauptsache klug geschissen.
Außerdem sind alle sensationsgeil. Gut, das sind wir alle irgendwie, aber doch nur, wenn auch was dran ist, oder? Klar kann man Erzählungen noch ausschmücken, damit die, die es nicht miterlebt haben, überhaupt eine Vorstellung davon bekommen. Aber man sollte nicht mit weltfremden Hyperbeln um sich werfen oder vom bösen Wolf erzählen. Ich finde es oft bewundernswert, was manche Leute erleben oder wo sie sich durchkämpfen mussten. Aber wenn man Geschichten von Ereignissen hört, bei denen man auch anwesend war, DANN kann man viele nicht mehr so ganz ernst nehmen.
Wie auch das subjektive Schmerzempfinden. Ich werde nicht mehr ernst genommen, weil ich oft Schals trage, wenn ich Halsschmerzen habe. Danach auch noch ein, zwei Wochen. Ich verliere kein Wort darüber, wie es mir geht. Andere hingegen stoßen sich den Zeh und diagnostizieren sofort mehrere Brüche. Ein Verband ist in Sachen Glaubwürdigkeit auch sehr dienlich. Natürlich wird jeder Schritt wieder von neuem kommentiert, da der plötzliche Schmerz die furchtbare Verletzung wieder in Erinnerung gerufen hat.
Und ich habe noch gedacht, es ist am besten, ganz offen durch die Welt zu gehen. Die Wahrheit, die ich kenne, ändert sich nicht, indem ich etwas anderes behaupte. Und vor allem hat man immer eine Grundmotivation, wenn man sich verteidigen muss, weil es nun mal WIRKLICH so ist. Aber scheinbar kann man erst richtig locker und frei sein, wenn man sich einen schützenden Traumkokon erschaffen hat, der die anderen vor Neid erblassen lässt.
Ich darf mich nicht öffnen, ich brauche einen PR-Berater und einen Rhetorikkurs bei der Volkshochschule. Denn das Leben ist ein Wettkampf, in dem es darum geht, jeden zu übertreffen: mehr Wissen, fundamentiertere Meinung, stärkere Schmerzen, interessanteres Leben, beneidenswerte Tapferkeit und mit Löffeln gegessen Weisheit. Leider geht es nicht um das “sein”, sondern nur um dem Anschein.
Ich bin wie jeder selbstgerecht und werde jetzt Sophist.
Tags: Freunde, Gnaaaah, Menschen Posted in Gehirnleck | 4 Comments »
Mittwoch, Juli 30th, 2008
Wir, also ich und mein Spiegelbild, das aus unerfindlichem Grund lieber im Bad geblieben ist, sind gerade in Tageshöchstform - geistig. Von bewusstseinserweiterten Kohlenwasserstoffen beflügelt wurde die Geschwindigkeitsbegrenzung auf meinen Nervenautobahnen aufgehoben; und deshalb bleibt mir auch die Kehrseite dieses Zustandes nicht verborgen: Wenn ich produktiv, innovativ und kreativ bin SCHLAFE ICH O_o
Den lieben langen Tag lang dümpel ich vor mir her, zweifle an der Existenz meines Verstandes und bin nicht fähig, etwas zu meiner Zufriedenheit zu erledigen. Ich traue mir nicht zu, jemanden durch mein Zutun zu begeistern, weil ich blockiert bin, keinen klaren Gedanken ausformulieren kann. Doch je stärker der Stundenzeiger gegen die Schwerkraft ankämpft, desto einfacher ordnen sich die Bruchstücke auf meinem gedanklichen Schreibtisch. Es ergibt plötzlich einen Sinn, hat das Potenzial Menschen zu überzeugen und die Sache an sich strotzt schon vor Genialität. Das ganze steigert sich mit jeder verstrichenen Minute und endet hier und jetzt, am Klimax der geistigen Leistungsfähigkeit.
Die Ironie dieser Laune der Natur driftet unmerklich ins Zynische ab, und ich sitze hier, bewaffnet mit der schärfsten Waffe überhaupt, unfähig abzuwenden was mir bevorsteht. Mein strahlendes Potenzial geht einher mit einem großen Schatten aus Verantwortung, der sich über mich legt, und ich finde keinen Weg es zu nutzen. So werde ich wieder in der Blüte des Tages meine Augen schließen und mich morgen früh wundern, weshalb mir alles so schwer fällt: Weil ich eine Eule bin, die sich bei Tag auf ihre Beute stürzen muss und nachts im Käfig sitzt.
Tags: Ich, Kopf, nachtaktiv Posted in Gehirnleck | 2 Comments »
Donnerstag, Juli 17th, 2008
“Sprache, des wachen Geiste scharfes Schwert, verstumpft sooft weil niemand schleift.”
Sprache verfällt, verkommt. Sprache ist dynamisch, entwickelt sich, lebt. Sprache limitiert unsere Gedanken. Sprache ermöglicht uns zu denken. Sprache dient der Kommunikation. Sprache gestaltet, erzählt, erschafft und entführt.
Ich bin gekommen um dich zu retten!
Das paradoxe an der Sache ist, dass die Sprache nicht verkümmert, weniger wird, sondern dass sie verwässert. Man sollte sich häufiger auf das Wesentliche beschränken. Mit unzähligen “Füllwörtern” werden Sätze gestreckt, sodass der Botschaftskoeffizient (=Wörter pro Aussage) überirdische Werte annimmt. Wir haben es mit akuter Wortinflation zu tun!
Das hängt auch damit zusammen, dass kaum eindeutige Aussagen, wie “Das gefällt mir nicht”, gemacht werden. Man schwächt die Aussage, indem man das Gesagte durch “Irgendwie” oder “nicht wirklich” verwässert, unnötig streckt und die eigentliche Bedeutung der Wörter ignoriert und verfälscht.
Dabei kann die Sprache so unglaublich präzise sein. Sie gibt einem die Möglichkeit, alles Relevante mit einer adäquaten Wortzahl auszudrücken. Welchen Zweck haben dabei Worte, die keine Botschaft übermitteln? Wir sind nicht alle Lyriker, deren Wortwahl genau bedacht ist und manchmal erst durch Nachdenken einleuchtet. Bei manchen hilft kein Nachdenken, kein Interpretieren.
Man sollte sich halt eigentlich ein bisschen Gedanken machen, was man so schreibt, damit es irgendwann später nicht so sehr nach irgendeinem nicht wirklich so schönen, von WORTINFLATION strotzenden Text aussieht, der halt irgendwie doch nicht ganz so toll ist -,-
qed.
Tags: Sprache, Verfall Posted in Gehirnleck | 6 Comments »
Samstag, Juli 12th, 2008
Ich höre die Musik mit meinen Ohren, die sie ans Gehirn weitergeben. Mein Gehirn packt das ganze dann ins Gedächtnis und lässt in manchen Fällen noch Hormone ausschütten. Das ist aber noch nicht alles. Die Erinnerung im Gedächtnis bleibt nicht isoliert, sondern wird mit sämtlichen anderen Sinneseindrücken, Gefühlen oder Verhaltensmustern verknüpft, die dazu simultan ablaufen. Es spannt Schnüre zu vergangenen Erlebnissen, zu Gerüchen, die charakteristisch für die Situation waren oder sogar zu Gefühlen, die dann für immer damit verbunden bleiben. Und im Zentrum dieser Spinnennetze sind Lieder, die mir einen Teil meines Lebens zuflüstern…
Eines dieser Lieder treibt es sogar noch weiter. Es tröpfelt vor sich hin, lenkt meine Gedanken gemächlich von hier nach dort; hört nicht auf, weitet sich wie ein Delta dem Gedankenmeer entgegen, das schließlich alles umgibt. Diese Flut der Erinnerungen zwingt mich, viele emotionale Erlebnisse erneut in komprimierter Form zu durchleben. Was davon hängen bleibt sind vereinzelte Tränen, ein wehmütiger Blick in die Vergangenheit und die Reue, es nicht genug genossen zu haben. Doch was mir bleibt ist dieses Lied, und ich werde es hören um nicht zu vergessen was mir so wichtig geworden ist: Wer ich bin.
Tags: Erinnerung, Ich, Musik Posted in Gehirnleck | No Comments »
Samstag, Juli 12th, 2008
Placebo haben sich ein weiteres mal in mein Herz gespielt, indem sie eines der schönsten Lieder gecovert haben. Das Lied von Kate Bush wurde bereits von Within Temptation interpretiert und hat mich damals schon umgehauen. Jetzt bin ich überwältigt. Sowohl mit “Running Up That Hill” als auch mit Placebo verbinde ich Unmengen an Erinnerungen, die mich im Moment wie eine emotionale Welle erfassen.
Ich bin ungefähr 17, vielleicht auch etwas jünger, den Führerschein haben ich jedenfalls noch nicht. Es ist halb 7. Wie fast jeden Morgen wache ich auf, und kurz darauf fängt die CD in meiner Anlage mit einem vertrauten *Klick* an sich zu drehen. Doch noch bevor der Shuffle-Modus ein Lied auserkoren hat, hat meine Hand bereits die Fernbedienung ertastet. Mit einem weiteren *Klick* erlöschen sämtliche Dioden des CD-Spielers, die mich kurz davor noch mit einer unausweichlichen Tatsache konfrontierten. 6:30. Mein Körper versucht sich demonstrativ wieder in eine gemütliche Schlafposition zu bugsieren, und schon scheint der kurze Zwischenfall vergessen. Doch in meinem Kopf herrscht Chaos. Mit der Frage, ob ich zum Bus laufe oder doch RENNEN muss, versaue ich mir die letzten 2 Minuten Bettruhe.
Ich stehe. Irgendwie muss ich es ins Bad geschafft haben, ohne jemandem zu begegnen. Zähneputzen. Plötzlich Menschen. Menschen die früh morgens mit mir reden, während ich mir die Zähne putze. Mein Blut wallt. Alles Routine.
Pacebo - Every You Every Me
Wenige Augenblicke später finde ich mich auf der Straße wieder. Ein Paar Füße, in Chucks gekleidet, tauchen abwechselnd in meinem Blickfeld auf. Im Hintergrund zieht ein steinerner Teppich vorbei. Der obere Rand besteht aus dem Schild meiner Kappe, das mich so gut es geht von der Realität abschirmt. Den Rest erledigt mein treuer Sony MZ-R70 - Ich liebe dich!
Ich schaue kurz auf um die nächsten 20 Meter Weg zu inspizieren und nach dem Bus Ausschau zu halten.
Außer Atem besteige ich durch die hintere Tür den Bus und beschließe, mit dem Rauchen aufzuhören. Ich kenne kaum jemanden, setze mich auf einen freien Zweiersitz und genieße die Ruhe bis zum nächsten Halt. ‘Wieder niemand, den ich kenne’ geht es mir durch den Kopf als sich die großen Türen erneut schließen. Ich betrachte die Szenerie, wie die Menschen sich unterhalten, alles untermalt von der wunderschönen Musik in meinem Ohr. Ich nehme meinen roten Rucksack vom Nebensitz auf meinen Schoß und blicke apathisch nach draußen. Mein Kopf lehnt an die Große scheibe, auf der Regentropfen vom Fahrtwind an mir vorbei getrieben werden. Ich spüre den Motor, die Straße und werde müde.
Placebo - Pure Morning
Ich steige einen Halt vor der großen Meute aus und laufe, meine Hände sicher in den Hosentaschen verstaut, durch den Regen. Es riecht gut. Ab und zu wische ich mit meinem durchnässten Ärmel die Tropfen von den Brillengläsern, um es gleich darauf zu bereuen. So bahne ich mir also den Weg durch ein Asphaltgrause Mosaik, in dem ich kaum auszumachen bin. Ich fühle mich wohl.
Within Temptation - Running Up That Hill
Als ich im “Rauchereck” ankomme hat sich meine Kordhose bis zu den Knien mit Wasser vollgesaugt, klebt regelrecht an meinen Waden. An meiner Mütze baumeln rechts und links kleine Tropfen, die noch nicht groß genug sind, um von der Schwerkraft in den Abgrund des Ungewissen gezerrt zu werden. Ich wische sie mit meinem Zeigefinger ab. Ich fühle mich gut. Das ist der schönste Abschnitt des Tages, mit meinen Freunden, vor der Schule, den Rauch einer Lucky Strike inhalierend. Sorglos, keinen Gedanken an die Zukunft verschwendend.
Blauäugig…
Tags: Erinnerung, Ich, Musik, Schule Posted in Gehirnleck | 1 Comment »
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