Posts Tagged ‘Erinnerung’

Mein Gehirn und die Musik

Samstag, Juli 12th, 2008

Ich höre die Musik mit meinen Ohren, die sie ans Gehirn weitergeben. Mein Gehirn packt das ganze dann ins Gedächtnis und lässt in manchen Fällen noch Hormone ausschütten. Das ist aber noch nicht alles. Die Erinnerung im Gedächtnis bleibt nicht isoliert, sondern wird mit sämtlichen anderen Sinneseindrücken, Gefühlen oder Verhaltensmustern verknüpft, die dazu simultan ablaufen. Es spannt Schnüre zu vergangenen Erlebnissen, zu Gerüchen, die charakteristisch für die Situation waren oder sogar zu Gefühlen, die dann für immer damit verbunden bleiben. Und im Zentrum dieser Spinnennetze sind Lieder, die mir einen Teil meines Lebens zuflüstern…

Eines dieser Lieder treibt es sogar noch weiter. Es tröpfelt vor sich hin, lenkt meine Gedanken gemächlich von hier nach dort; hört nicht auf, weitet sich wie ein Delta dem Gedankenmeer entgegen, das schließlich alles umgibt. Diese Flut der Erinnerungen zwingt mich, viele emotionale Erlebnisse erneut in komprimierter Form zu durchleben. Was davon hängen bleibt sind vereinzelte Tränen, ein wehmütiger Blick in die Vergangenheit und die Reue, es nicht genug genossen zu haben. Doch was mir bleibt ist dieses Lied, und ich werde es hören um nicht zu vergessen was mir so wichtig geworden ist: Wer ich bin.

Running up that Hill

Samstag, Juli 12th, 2008

Placebo haben sich ein weiteres mal in mein Herz gespielt, indem sie eines der schönsten Lieder gecovert haben. Das Lied von Kate Bush wurde bereits von Within Temptation interpretiert und hat mich damals schon umgehauen. Jetzt bin ich überwältigt. Sowohl mit “Running Up That Hill” als auch mit Placebo verbinde ich Unmengen an Erinnerungen, die mich im Moment wie eine emotionale Welle erfassen.

 

  Ich bin ungefähr 17, vielleicht auch etwas jünger, den Führerschein haben ich jedenfalls noch nicht. Es ist halb 7. Wie fast jeden Morgen wache ich auf, und kurz darauf fängt die CD in meiner Anlage mit einem vertrauten *Klick* an sich zu drehen. Doch noch bevor der Shuffle-Modus ein Lied auserkoren hat, hat meine Hand bereits die Fernbedienung ertastet. Mit einem weiteren *Klick* erlöschen sämtliche Dioden des CD-Spielers, die mich kurz davor noch mit einer unausweichlichen Tatsache konfrontierten. 6:30. Mein Körper versucht sich demonstrativ wieder in eine gemütliche Schlafposition zu bugsieren, und schon scheint der kurze Zwischenfall vergessen. Doch in meinem Kopf herrscht Chaos. Mit der Frage, ob ich zum Bus laufe oder doch RENNEN muss, versaue ich mir die letzten 2 Minuten Bettruhe.

Ich stehe. Irgendwie muss ich es ins Bad geschafft haben, ohne jemandem zu begegnen. Zähneputzen. Plötzlich Menschen. Menschen die früh morgens mit mir reden, während ich mir die Zähne putze. Mein Blut wallt. Alles Routine.

Pacebo - Every You Every Me

Wenige Augenblicke später finde ich mich auf der Straße wieder. Ein Paar Füße, in Chucks gekleidet, tauchen abwechselnd in meinem Blickfeld auf. Im Hintergrund zieht ein steinerner Teppich vorbei. Der obere Rand besteht aus dem Schild meiner Kappe, das mich so gut es geht von der Realität abschirmt. Den Rest erledigt mein treuer Sony MZ-R70 - Ich liebe dich!
Ich schaue kurz auf um die nächsten 20 Meter Weg zu inspizieren und nach dem Bus Ausschau zu halten.

Außer Atem besteige ich durch die hintere Tür den Bus und beschließe, mit dem Rauchen aufzuhören. Ich kenne kaum jemanden, setze mich auf einen freien Zweiersitz und genieße die Ruhe bis zum nächsten Halt. ‘Wieder niemand, den ich kenne’ geht es mir durch den Kopf als sich die großen Türen erneut schließen. Ich betrachte die Szenerie, wie die Menschen sich unterhalten, alles untermalt von der wunderschönen Musik in meinem Ohr. Ich nehme meinen roten Rucksack vom Nebensitz auf meinen Schoß und blicke apathisch nach draußen. Mein Kopf lehnt an die Große scheibe, auf der Regentropfen vom Fahrtwind an mir vorbei getrieben werden. Ich spüre den Motor, die Straße und werde müde.

Placebo - Pure Morning

Ich steige einen Halt vor der großen Meute aus und laufe, meine Hände sicher in den Hosentaschen verstaut, durch den Regen. Es riecht gut. Ab und zu wische ich mit meinem durchnässten Ärmel die Tropfen von den Brillengläsern, um es gleich darauf zu bereuen. So bahne ich mir also den Weg durch ein Asphaltgrause Mosaik, in dem ich kaum auszumachen bin. Ich fühle mich wohl.

Within Temptation - Running Up That Hill

Als ich im “Rauchereck” ankomme hat sich meine Kordhose bis zu den Knien mit Wasser vollgesaugt, klebt regelrecht an meinen Waden. An meiner Mütze baumeln rechts und links kleine Tropfen, die noch nicht groß genug sind, um von der Schwerkraft in den Abgrund des Ungewissen gezerrt zu werden. Ich wische sie mit meinem Zeigefinger ab. Ich fühle mich gut. Das ist der schönste Abschnitt des Tages, mit meinen Freunden, vor der Schule, den Rauch einer Lucky Strike inhalierend. Sorglos, keinen Gedanken an die Zukunft verschwendend.
Blauäugig…