Posts Tagged ‘Ich’

Bemerkung: Versetzt.

Sonntag, August 8th, 2010

Aufgrund von Selbstreflexion hat mein Blog um eine Beförderung gebeten. Er sei unterfordert… Habe mich dazu entschlossen, ihn zu einem Blog mit Notizbuch zu befördern. Er freut sich!

Hallo Erin! Fairerweise muss ich das einseitige Verhältnis ausgleichen und werde es hiermit tun :D Hier steppt bald wieder der Bär… und so.
Und hallo Rabi, falls du mal vorbeischaust ^^
Hallo Cait… Fettsack!!

Memo an mich: Nächstes Semester willst du Yoga anfangen. Und vielleicht Aikido, ansonsten Kung Fu. Ein spannendes Seminar willst du dir auch suchen, selbst wenn es keine LPs dafür gibt. Du willst regelmäßig schwimmen gehn und, ganz wichtig, in einer Band spielen. Als was wird sich zeigen. Klavier und Backgroundgesang, später dann alles! Du willst viele interessanten Menschen kennen lernen. Du willst dir ein interessantes Praktikum suchen, dem du dich hingeben kannst. Du weißt nur noch nicht, wie das aussieht. Du willst vielleicht wieder anfangen zu rauchen. Du glaubst, es steigert dein Selbstvertrauen. Du bist dumm. Du weißt das. Du bist nicht hoffnungslos verloren. Du bist gerade sehr motiviert und glaubst all das meistern zu können. Du hast recht. Erinnere dich!!

Assimilation: 99% done. For the greater Good.

Montag, Januar 12th, 2009

Ich bin gerade dabei, alles Schlechte [nein, pauschaler ging es nicht xD] aus meinem Leben zu bannen. In der Theorie alles andere als verwerflich, praktisch aber eine Art der Askese, deren Vorzüge ich mir gewaltsam einreden muss.

Natürlich mach ich so was nicht ohne [guten?] Grund: Morbus Meulengracht. Ein mittelalterlich klingender Name, bei dem göttlicher Segen mitschwingt, im Abgang jedoch das Feuer der Hölle “bis ganz runter” brennt. Er steht für eine Krankheit, deren Symptome so breit gefächert sind, dass ich IMMER SIE verantwortlich machen kann. Was es aber eigentlich bedeutet ist eine genetische Leberfehl[unter]funktion, den Abbau von Hämoglobin betreffend. Teilweise wird M. M. als die unbedeutendste Krankheit bezeichnet, weil der Bilirubinüberschuss sich lediglich dadurch äußert, dass man gelegentlich gelbliche Augen oder Haut bekommt. Tendenziell [und jetzt kommts!!] ist jedoch die Leberfunktion bei M. M. generell schlechter, was bedeutet, dass sämtliche Giftstoffe [die das Leben so schön machen -,-0] schlechter abgebaut werde können. KOMME ich erstmal, durch eigene [jahrelange *rolleyes*] Recherche zu dieser Information, kann ich nun endlich mein körperliches Befinden als NICHT NORMAL einstufen.

Ich stehe vor einer Mauer. Sie ist aus unzählbar vielen Ziegelsteinen aufgebaut, die Reihe für Reihe leicht versetzt aufeinander liegen. Im Licht der aufgehenden Sonne leuchtet der gebrannte Lehm in einem Farbenspektrum, das sich von hellorange über Bordeaux-rot bis hin zu dunkelviolett erstreckt. In die einst glatte Oberfläche der Ziegelsteine wurden gewaltsam Symbole geschlagen, die auf den ersten Blick keinen Sinn zu ergeben scheinen. Ich gehe einen Schritt näher heran. Unter meinen nackten Füßen knarzt der Schnee, ich zittere: aus der Nähe kann ich die Botschaft der Symbole entschlüsseln und ein kalter, nicht temperaturbedingter Schauer rast vom Scheitel hinab durch meinen ganzen Körper. Ich stehe wie betäubt vor der Mauer, Augen und Mund weit geöffnet. Die Zeit scheint still zu stehen, nur die regelmäßige Atemwolke zerstört diese Vorstellung. Von einem Moment auf den anderen fühle ich mich leer, weiß plötzlich nicht mehr, wer ich bin. Fast alles, worüber ich mich definiert hatte, was mich Tag für Tag durchs Leben gesteuert hatte wird mir nun genommen? Was soll mich leiten und vor allen Dingen: Wohin?

So kam es, dass ich nun keinen Alkohol mehr trinke, was mir jedoch überhaupt keine Probleme bereitet. Überraschender Weise habe ich inzwischen auch keine Schwierigkeiten mehr den Zigaretten zu entsagen. Aber so kann es nicht weiter gehen. Wird mir jetzt auch noch der morgendliche Kaffee weggenommen? Keine Cola mehr, keinen Ice Tea? Hallo? Hilfe?

Und das verrückte dabei ist: Ich bin motiviert. Noch!? Ich fühle mich gut. Habe nun endlich die Chance nach jahrelangem Leiden meine chronische Nasennebenhöhlenentzündung wegzubekommen. Ich lerne wieder, wie es ist, durchblutete Extremitäten zu haben. Wow… muss kurz heulen…

Betrachten wir es als Pilotprojekt, weil es sich so schön anhört, obwohl weder bei Erfolg noch beim Scheitern des Projekts eine Studie folgen wird xD

Ich werde versuchen, sofern ich in Zukunft noch genug Energie dafür bereitstellen kann, von meinem fröhlichen Leiden berichten.

[/high pathetic mode]

Worauf ich verzichte [=Ausgeburten des Teufels]: 

  • Nikotin
  • Alkohol
  • Koffein
  • Chinin

 

Hoffentlich bis bald…

    Ein Tag auf Pentoxifyllin

    Samstag, September 27th, 2008

    Kennt ihr die Sorte Mensch, die oft alleine rumsteht, kaum etwas sagt, immer in der Gegend rumkuckt, sich an ihrem Getränk festhält und man nicht merkt, wenn er auf einmal verschwunden ist?

    Und kennt ihr das Gefühl, wenn man etwas am Rand steht, einen Schluck nimmt und den Blick über die sich unterhaltende Menge gleiten lässt und sich selbst als solcher(/n?) entpuppt? Schlagartig will ich im Boden versinken. Ah, zum Glück, ich kenne jemand. Jeder Satz muss rausgepresst werden, die Muse fehlt. Ich hab nichts zu reden, finde mich irgendwann selbst langweilig. Fremder Mensch kommt. Unterhält sich mit Bekanntem. Ich lächle und nicke, trinke, blicke umher. Verschwindet dann das Bindeglied zwischen mir und dem Fremden herrscht erst mal Stille. Nein, ich stehe nicht stumm da und suche verzweifelt nach einem einzigen Satz, der diese Peinlichkeit beendet, sondern ich bin damit beschäftigt zu trinken und durch die Gegend zu schauen. Das ist wichtig!! - Puh, Rettung naht… doch nicht. Scheiße, ab jetzt fällts auf, wenn ich aus ner leeren Flasche trinke. Handy, HANDY, SCHNELL!!! *drückdrückdrück* …Wann kommt sie denn? Okay, Handy wieder weg und genau jetzt würde ich gerne wissen, wie spät es ist. Naja, immerhin etwas zu tun. Handy, Uhr, gut. Etikett fehlt schon komplett, schade, dass man Glas nicht abkratzen kann… Also mal wieder umherschauen, als wartete man auf die große Überraschung. Ach wie paradox… - Ah, ihr geht jetzt? Ja, ich auch.

    Ich kann das nicht. Manchmal vielleicht, heute hatte ich jedenfalls einen brutal schlechten Tag. Mein Blut ist einfach zu dünn… Irgendwie macht mein Kopf dann Siesta. Kein Gedanke verlässt das Oberstübchen und ich bekomme nicht mal irgendwelche Floskeln zusammen. Okay, ich kannte nicht viele, aber andere, die noch weniger kennen, schaffen es trotzdem irgendwie, Leute zum lachen zu bringen, die sie erst seit 5 Minuten kennen.

    Eventuell ist mein Spam-Filter zu radikal eingestellt. Manchmal denke ich etwas, finde es aber zu flach/unsachlich/fies/belanglos und behalte es für mich. Ein paar Minuten später höre ich es dann jemand anderes sagen und bin überrascht, wie passend ich es finde… plöt!

    Ach und kennt ihr diese Skala, die bemisst, wie sehr ihr jemanden mögt? Und zwar wie schlimm es wäre, wenn derjenige stürbe. Naja, vielleicht macht nur mein Gehirn das. Ist ja auch dumm, die Freude die ein Mensch einem bereitet damit zu messen, wie viel Trauer der Tod verursachen würde O_o

    Merke eins: Insektenstiche in den Kniekehlen enden meistens blutig… -,-

    Die Antwort auf all meine Fragen:

    Donnerstag, September 11th, 2008

    Ich habe sie endlich. Und es ist nicht 42. Was mich unzählige Nächte mit Schlaflosigkeit strafte hat schließlich ein Ende. Ich bin erleuchtet!

    Es ist alles vorherbestimmt und begann noch bevor ich überhaupt in der Lage war, etwas daran zu ändern. Nämlich an meiner Geburt: Der 2. Februar. Doch neben der banalen Schnapszahlartigkeit darf man nicht die eigentliche Bedeutung dieses Tages aus den Augen verlieren. Dieser Tag ist schon seit mehreren Jahrhunderten einer der wichtigsten - wenn nicht sogar DER wichtigste - Tage der Menschheit. Seit 1987 hat sich dies beinahe ins unermessliche gesteigert, denn dieser Tag…

    ist…

    der…

     

    MURMELTIERTAG

    Menschen

    Samstag, August 30th, 2008

    Ich hasse eigentlich niemanden. Aber alle leiden kann ich trotzdem nicht. Wenn ich jemand wirklich überhaupt nicht leiden kann, dann strafe ich höchstens mit Gleichgültigkeit. In ganz schlimmen Fällen neige ich zwar zur Zwangskastration, aber auch nur wenn meine Gefühle kurzzeitig die Oberhand gewinnen. Das komische ist, dass es in erster Linie nicht davon abhängt, was ich von der Person halte, sondern sie von mir; wieso soll ich auch Energie verschwenden, die sowieso keinen Effekt hätte? Und das ist keine Trotzreaktion, vielleicht eine Art Selbstschutz oder einfach plausibel. Wenn ich also jemanden blöd finde, beruht das zwangsläufig auf Gegenseitigkeit. Ich kenne aber niemand, den ich blöd finde, weil mich alle, die mich kenne, auch nicht blöd finden. Ich bin also entweder sehr penibel in der Auswahl meiner Bekanntschaften, oder zu sehr von mir überzeugt und naiv.

    Heute wurde ich mal wieder mit einem selten dummen Exemplar konfrontiert. Hilfe. Ich hasse dumme Menschen - aber auf pazifistischste Art und Weise. Mir genügt es diese Leute einfach NIE wieder zu sehen, dann bin ich schon zufrieden. Wenn das nicht zu vermeiden ist, bestätigen sie mir jedes mal aufs neue, dass es das beste wäre. Und ich HASSE es, was sie mit mir anstellen, weil ich so machtlos dagegen bin. Von einer Sekunde auf die nächste bin ich so sehr gestresst, dass ich mich Fühle wie bei dem Kuss eines Dementors. Meine Lebensfreude scheint durch sich selbst geteilt, MINUS 1!!! und will ich nur noch heim und sterben…

    Hoch-Zeit

    Mittwoch, Juli 30th, 2008

    Wir, also ich und mein Spiegelbild, das aus unerfindlichem Grund lieber im Bad geblieben ist, sind gerade in Tageshöchstform - geistig. Von bewusstseinserweiterten Kohlenwasserstoffen beflügelt wurde die Geschwindigkeitsbegrenzung auf meinen Nervenautobahnen aufgehoben; und deshalb bleibt mir auch die Kehrseite dieses Zustandes nicht verborgen: Wenn ich produktiv, innovativ und kreativ bin SCHLAFE ICH O_o

    Den lieben langen Tag lang dümpel ich vor mir her, zweifle an der Existenz meines Verstandes und bin nicht fähig, etwas zu meiner Zufriedenheit zu erledigen. Ich traue mir nicht zu, jemanden durch mein Zutun zu begeistern, weil ich blockiert bin, keinen klaren Gedanken ausformulieren kann. Doch je stärker der Stundenzeiger gegen die Schwerkraft ankämpft, desto einfacher ordnen sich die Bruchstücke auf meinem gedanklichen Schreibtisch. Es ergibt plötzlich einen Sinn, hat das Potenzial Menschen zu überzeugen und die Sache an sich strotzt schon vor Genialität. Das ganze steigert sich mit jeder verstrichenen Minute und endet hier und jetzt, am Klimax der geistigen Leistungsfähigkeit.

    Die Ironie dieser Laune der Natur driftet unmerklich ins Zynische ab, und ich sitze hier, bewaffnet mit der schärfsten Waffe überhaupt, unfähig abzuwenden was mir bevorsteht. Mein strahlendes Potenzial geht einher mit einem großen Schatten aus Verantwortung, der sich über mich legt, und ich finde keinen Weg es zu nutzen. So werde ich wieder in der Blüte des Tages meine Augen schließen und mich morgen früh wundern, weshalb mir alles so schwer fällt: Weil ich eine Eule bin, die sich bei Tag auf ihre Beute stürzen muss und nachts im Käfig sitzt.

    f’(x)>0

    Dienstag, Juli 22nd, 2008

    Schlechte Laune haben kann jeder. Ich nicht! So!

    Ich bin fröhlich, sehr humorvoll und tolerant. Ich habe Spaß am Leben, treibe begeistert Sport, genieße einen leckeren Kaffee morgens auf der Terrasse und singe atemberaubend schön!

    Bis in meinem Monolog plötzlich Antagonisten auftauchen, die mit ihrer Bitterkeit Unfriede provozieren und meine perfekte kleine Seifenblase zum Platzen bringen.

    ** Hier wurden 52 Seiten entfernt, die mit dem Thema in Konflikt geraten sind **

    Freunde

    Sonntag, Juli 13th, 2008

    Freunde kommen und gehen, Freundschaften wachsen und gehen ein, verändern sich zum positiven oder mutieren zu gegenseitiger Duldung, bis man sich ertragen muss, es aber schon seit langer Zeit nicht mehr kann. Man verliert sich aus den Augen, findet sich wieder und bedauert die Veränderung die sich schleichend vollzogen hat, ist jedoch machtlos bei dem Versuch sie wieder aufleben zu lassen - wie früher. Manche Freundschaften bedürfen intensiver Pflege, neigen dazu anstrengend zu werden, sind jedoch die Mühe wert. Andere wiederum zahlen sich in keiner Weise aus und kosten doch so viel.

    Aber eine ist anders. Sie ist inspirierend, aufbauend, interessant, fordernd, erweitert meinen Horizont, zeigt mir die Welt auf eine Art, wie ich sie noch nie betrachtet habe, gibt mir Halt. Wir sind uns so ähnlich und unterscheiden uns doch in vielen Dingen. Zusammen sind wir unschlagbar; wir könnten es mit der ganzen Welt aufnehmen und stehen manchmal schon mitten auf dem Schlachtfeld - Seite an Seite.
    Wir konkurrieren nicht miteinander, sondern ermutigen uns gegenseitig, das eigene Glück zu suchen. Wir lachen gemeinsam, finden uns doof, schmieden utopische Zukunftspläne, werfen uns sinnlose Phrasen an den Kopf, holen uns auf den Boden der Tatsachen zurück und leben doch in einer anderen Welt, sind uns manchmal gar nicht einig, haben trotzdem beide recht, widersprechen uns nur im Gesagten, jedoch nicht in der Botschaft, zweifeln an allem, an uns selbst, erfahren immer wieder neues über den anderen, bescheren uns die höchsten Gefühlsmomente, treiben uns zu Höchstleistungen an, können uns alles erzählen und müssen uns für nichts schämen, können fast nie beide daselbe gut, ergänzen uns perfekt, fallen aus dem Rahmen, finden toll was den anderen begeistert, telefonieren teilweise ohne zu sprechen, sprechen in Rätseln und verstehen uns doch, machen uns unabhängig voneinander alles nach und sind nur in einem Atemzug zu nennen.

    Mein Gehirn und die Musik

    Samstag, Juli 12th, 2008

    Ich höre die Musik mit meinen Ohren, die sie ans Gehirn weitergeben. Mein Gehirn packt das ganze dann ins Gedächtnis und lässt in manchen Fällen noch Hormone ausschütten. Das ist aber noch nicht alles. Die Erinnerung im Gedächtnis bleibt nicht isoliert, sondern wird mit sämtlichen anderen Sinneseindrücken, Gefühlen oder Verhaltensmustern verknüpft, die dazu simultan ablaufen. Es spannt Schnüre zu vergangenen Erlebnissen, zu Gerüchen, die charakteristisch für die Situation waren oder sogar zu Gefühlen, die dann für immer damit verbunden bleiben. Und im Zentrum dieser Spinnennetze sind Lieder, die mir einen Teil meines Lebens zuflüstern…

    Eines dieser Lieder treibt es sogar noch weiter. Es tröpfelt vor sich hin, lenkt meine Gedanken gemächlich von hier nach dort; hört nicht auf, weitet sich wie ein Delta dem Gedankenmeer entgegen, das schließlich alles umgibt. Diese Flut der Erinnerungen zwingt mich, viele emotionale Erlebnisse erneut in komprimierter Form zu durchleben. Was davon hängen bleibt sind vereinzelte Tränen, ein wehmütiger Blick in die Vergangenheit und die Reue, es nicht genug genossen zu haben. Doch was mir bleibt ist dieses Lied, und ich werde es hören um nicht zu vergessen was mir so wichtig geworden ist: Wer ich bin.

    Running up that Hill

    Samstag, Juli 12th, 2008

    Placebo haben sich ein weiteres mal in mein Herz gespielt, indem sie eines der schönsten Lieder gecovert haben. Das Lied von Kate Bush wurde bereits von Within Temptation interpretiert und hat mich damals schon umgehauen. Jetzt bin ich überwältigt. Sowohl mit “Running Up That Hill” als auch mit Placebo verbinde ich Unmengen an Erinnerungen, die mich im Moment wie eine emotionale Welle erfassen.

     

      Ich bin ungefähr 17, vielleicht auch etwas jünger, den Führerschein haben ich jedenfalls noch nicht. Es ist halb 7. Wie fast jeden Morgen wache ich auf, und kurz darauf fängt die CD in meiner Anlage mit einem vertrauten *Klick* an sich zu drehen. Doch noch bevor der Shuffle-Modus ein Lied auserkoren hat, hat meine Hand bereits die Fernbedienung ertastet. Mit einem weiteren *Klick* erlöschen sämtliche Dioden des CD-Spielers, die mich kurz davor noch mit einer unausweichlichen Tatsache konfrontierten. 6:30. Mein Körper versucht sich demonstrativ wieder in eine gemütliche Schlafposition zu bugsieren, und schon scheint der kurze Zwischenfall vergessen. Doch in meinem Kopf herrscht Chaos. Mit der Frage, ob ich zum Bus laufe oder doch RENNEN muss, versaue ich mir die letzten 2 Minuten Bettruhe.

    Ich stehe. Irgendwie muss ich es ins Bad geschafft haben, ohne jemandem zu begegnen. Zähneputzen. Plötzlich Menschen. Menschen die früh morgens mit mir reden, während ich mir die Zähne putze. Mein Blut wallt. Alles Routine.

    Pacebo - Every You Every Me

    Wenige Augenblicke später finde ich mich auf der Straße wieder. Ein Paar Füße, in Chucks gekleidet, tauchen abwechselnd in meinem Blickfeld auf. Im Hintergrund zieht ein steinerner Teppich vorbei. Der obere Rand besteht aus dem Schild meiner Kappe, das mich so gut es geht von der Realität abschirmt. Den Rest erledigt mein treuer Sony MZ-R70 - Ich liebe dich!
    Ich schaue kurz auf um die nächsten 20 Meter Weg zu inspizieren und nach dem Bus Ausschau zu halten.

    Außer Atem besteige ich durch die hintere Tür den Bus und beschließe, mit dem Rauchen aufzuhören. Ich kenne kaum jemanden, setze mich auf einen freien Zweiersitz und genieße die Ruhe bis zum nächsten Halt. ‘Wieder niemand, den ich kenne’ geht es mir durch den Kopf als sich die großen Türen erneut schließen. Ich betrachte die Szenerie, wie die Menschen sich unterhalten, alles untermalt von der wunderschönen Musik in meinem Ohr. Ich nehme meinen roten Rucksack vom Nebensitz auf meinen Schoß und blicke apathisch nach draußen. Mein Kopf lehnt an die Große scheibe, auf der Regentropfen vom Fahrtwind an mir vorbei getrieben werden. Ich spüre den Motor, die Straße und werde müde.

    Placebo - Pure Morning

    Ich steige einen Halt vor der großen Meute aus und laufe, meine Hände sicher in den Hosentaschen verstaut, durch den Regen. Es riecht gut. Ab und zu wische ich mit meinem durchnässten Ärmel die Tropfen von den Brillengläsern, um es gleich darauf zu bereuen. So bahne ich mir also den Weg durch ein Asphaltgrause Mosaik, in dem ich kaum auszumachen bin. Ich fühle mich wohl.

    Within Temptation - Running Up That Hill

    Als ich im “Rauchereck” ankomme hat sich meine Kordhose bis zu den Knien mit Wasser vollgesaugt, klebt regelrecht an meinen Waden. An meiner Mütze baumeln rechts und links kleine Tropfen, die noch nicht groß genug sind, um von der Schwerkraft in den Abgrund des Ungewissen gezerrt zu werden. Ich wische sie mit meinem Zeigefinger ab. Ich fühle mich gut. Das ist der schönste Abschnitt des Tages, mit meinen Freunden, vor der Schule, den Rauch einer Lucky Strike inhalierend. Sorglos, keinen Gedanken an die Zukunft verschwendend.
    Blauäugig…