Hoch-Zeit
Mittwoch, Juli 30th, 2008Wir, also ich und mein Spiegelbild, das aus unerfindlichem Grund lieber im Bad geblieben ist, sind gerade in Tageshöchstform - geistig. Von bewusstseinserweiterten Kohlenwasserstoffen beflügelt wurde die Geschwindigkeitsbegrenzung auf meinen Nervenautobahnen aufgehoben; und deshalb bleibt mir auch die Kehrseite dieses Zustandes nicht verborgen: Wenn ich produktiv, innovativ und kreativ bin SCHLAFE ICH O_o
Den lieben langen Tag lang dümpel ich vor mir her, zweifle an der Existenz meines Verstandes und bin nicht fähig, etwas zu meiner Zufriedenheit zu erledigen. Ich traue mir nicht zu, jemanden durch mein Zutun zu begeistern, weil ich blockiert bin, keinen klaren Gedanken ausformulieren kann. Doch je stärker der Stundenzeiger gegen die Schwerkraft ankämpft, desto einfacher ordnen sich die Bruchstücke auf meinem gedanklichen Schreibtisch. Es ergibt plötzlich einen Sinn, hat das Potenzial Menschen zu überzeugen und die Sache an sich strotzt schon vor Genialität. Das ganze steigert sich mit jeder verstrichenen Minute und endet hier und jetzt, am Klimax der geistigen Leistungsfähigkeit.
Die Ironie dieser Laune der Natur driftet unmerklich ins Zynische ab, und ich sitze hier, bewaffnet mit der schärfsten Waffe überhaupt, unfähig abzuwenden was mir bevorsteht. Mein strahlendes Potenzial geht einher mit einem großen Schatten aus Verantwortung, der sich über mich legt, und ich finde keinen Weg es zu nutzen. So werde ich wieder in der Blüte des Tages meine Augen schließen und mich morgen früh wundern, weshalb mir alles so schwer fällt: Weil ich eine Eule bin, die sich bei Tag auf ihre Beute stürzen muss und nachts im Käfig sitzt.
